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Wirtschaft · Daten

Vom Zinsgipfel zur Zinswende: Die EZB-Politik der letzten vier Jahre in Zahlen

Am 11. Juni 2026 hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen erstmals seit drei Jahren wieder angehoben. Ein Blick auf die Zeitleiste zeigt, wie turbulent die Geldpolitik seit 2022 tatsächlich war, und was der neue Kurswechsel für Sparerinnen und Sparer bedeutet.

ICS Stand: 14.07.2026 Ein Informationsangebot von ICS
Zinsgipfel (Sep 2023)
4,00 %
Zinstief (Jun 2025)
2,00 %
Aktueller Satz
2,25 %
Inflation DE
2,3 %
Zeitleiste der EZB-Leitzinspolitik 2022 bis 2026
Von der Zinserhöhung 2022 über den Zinsgipfel 2023 und die Zinssenkungen 2024/2025 bis zur neuen Zinswende 2026.

Wer die Nachricht vom 11. Juni 2026 gehört hat, dass die Europäische Zentralbank die Leitzinsen erstmals seit drei Jahren wieder angehoben hat, könnte den Eindruck gewinnen, die Geldpolitik sei in den vergangenen Jahren ruhig verlaufen. Ein Blick auf die tatsächliche Zeitleiste zeigt das Gegenteil: Seit 2022 hat die EZB die Leitzinsen in über zwanzig einzelnen Schritten verändert, erst in einem der schnellsten Erhöhungszyklen ihrer Geschichte, dann in einem ebenso ausgeprägten Senkungszyklus.

Auf einen Blick

Der schnellste Erhöhungszyklus seit Einführung des Euro

Nach Jahren mit Nullzinsen und zeitweise sogar negativen Einlagezinsen leitete die EZB im Juli 2022 eine Kehrtwende ein. Auslöser war die stark steigende Inflation im Euroraum, die im Zuge der Energiepreiskrise deutlich über den Zielwert von 2 Prozent hinausschoss. In insgesamt zehn Schritten zwischen Juli 2022 und September 2023 hob die EZB den Einlagesatz von 0 auf 4,00 Prozent an, einen der schnellsten Erhöhungszyklen seit Einführung des Euro.

ZEITLEISTE: EZB-EINLAGESATZ 2022–2026
DatumEreignisEinlagesatz
Juli 2022Ende der Negativzinsphase, erste Erhöhung0,00 %
September 2022Zweite Erhöhung0,75 %
Oktober 2022Dritte Erhöhung1,50 %
Dezember 2022Vierte Erhöhung2,00 %
Februar 2023Fünfte Erhöhung2,50 %
März 2023Sechste Erhöhung3,00 %
Mai 2023Siebte Erhöhung3,25 %
Juni 2023Achte Erhöhung3,50 %
Juli 2023Neunte Erhöhung3,75 %
September 2023Zehnte Erhöhung, Zinsgipfel4,00 %
Oktober 2023 – Mai 2024Zinsplateau, unverändert4,00 %
Juni 2024Erste Senkung der Wende3,75 %
September 2024Zweite Senkung3,50 %
Dezember 2024Dritte Senkung3,00 %
Februar 2025Vierte Senkung2,75 %
März 2025Fünfte Senkung2,50 %
April 2025Sechste Senkung2,25 %
Juni 2025Siebte Senkung, Zinstief2,00 %
Juli 2025 – Mai 2026Zinsplateau, unverändert2,00 %
Juni 2026Erste Erhöhung der neuen Wende2,25 %

Hinweis: Angaben basieren auf den veröffentlichten geldpolitischen Beschlüssen der Europäischen Zentralbank. Historische Zinssätze können im Nachhinein präzisiert werden; maßgeblich sind stets die offiziellen EZB-Veröffentlichungen.

Der Senkungszyklus 2024/2025: Genauso schnell wie er kam

Nachdem der Einlagesatz von Oktober 2023 bis Mai 2024 acht Monate lang unverändert bei 4,00 Prozent verharrte, während die Inflation im Euroraum sukzessive zurückging, leitete die EZB im Juni 2024 die Gegenbewegung ein. In acht Schritten senkte sie den Satz bis Juni 2025 auf 2,00 Prozent, nahezu im selben Tempo, in dem sie ihn zuvor angehoben hatte. Für Sparerinnen und Sparer bedeutete das spürbar sinkende Zinsen auf Tagesgeld- und Festgeldkonten, nachdem viele sich gerade erst an die höheren Konditionen der Jahre 2023/2024 gewöhnt hatten.

2,00 Pp.
beträgt der Gesamtrückgang des Einlagesatzes vom Zinsgipfel im September 2023 (4,00 Prozent) bis zum Zinstief im Juni 2025 (2,00 Prozent), verteilt auf acht Zinsschritte innerhalb von zwölf Monaten.

Was die neue Zinswende 2026 anders macht

Die Erhöhung vom 11. Juni 2026 unterscheidet sich in einem wichtigen Punkt von der Zinswende 2022: Sie erfolgt nicht aus einer Position historisch niedriger Zinsen heraus, sondern nach einem Jahr stabiler Konditionen bei 2,00 Prozent. Die Inflationsrate in Deutschland lag im Juni 2026 bei 2,3 Prozent und damit nur knapp über dem Zielwert der EZB von 2,0 Prozent, ein deutlich anderes Ausgangsbild als die zweistelligen Teuerungsraten, die den Erhöhungszyklus 2022 auslösten.

Warum die Zeitleiste für Sparer relevant bleibt

Wer die Geschichte der vergangenen Zinsschritte kennt, kann die aktuelle Erhöhung besser einordnen. Nach einem so ausgeprägten Auf und Ab seit 2022 ist nicht auszuschließen, dass auch der aktuelle Kurs wieder Anpassungen erfährt. Wer Tagesgeld- oder Festgeldangebote vergleicht, sollte deshalb nicht nur den aktuellen Zinssatz betrachten, sondern auch, wie schnell sich Konditionen in der Vergangenheit ändern konnten.

Wie es weitergehen könnte

Ob die EZB den eingeschlagenen Kurs in den kommenden Sitzungen fortsetzt, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung der Inflation im Euroraum ab. Sollte sich die Teuerung stabil nahe dem Zielwert von 2 Prozent einpendeln, ist ein ähnlich schneller Kurswechsel wie in den vergangenen Zyklen nicht zwingend zu erwarten. Historisch hat die EZB jedoch gezeigt, dass sie sowohl bei Erhöhungen als auch bei Senkungen in vergleichsweise kurzer Zeit deutliche Anpassungen vornehmen kann, wie die Zeitleiste der vergangenen vier Jahre zeigt.

Quellen: Europäische Zentralbank, geldpolitische Beschlüsse vom 11.06.2026, Europäische Zentralbank, Archiv geldpolitischer Entscheidungen, Statistisches Bundesamt (Destatis), Inflationsrate Juni 2026 und Statista, Entwicklung des EZB-Einlagesatzes seit 1999. Alle genannten Werte sind Stand der jeweils zitierten Quelle und können sich ändern.

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